Alltäglichkeit
Mit einem leisen Surren werden die Rollläden, wie es heute üblich ist, natürlich voll automatisch nach oben gezogen. Beißend grelles Licht durchflutet den Raum, doch bewegen willst du dich noch nicht.
Geschlossen können die Augen nun nicht mehr bleiben, schon klar, dafür durchdringen die Strahlen zu sehr deine Lider. Seufzend erhebst du deine schweren Knochen aus diesem unbequemen Bett, das du schon so unfassbar lange für dich beanspruchst. Seit noch längerer Zeit tappst du jeden Morgen durch das Haus. Das weiche, kleine Sofa in der unteren Etage ist nun das Ziel, nachdem du den langen Weg, die Treppe runter rechts, an der großen Truhe mit all den Leckereien vorbei, auf dich nahmst. Du wirfst einen flüchtigen Blick auf diese, deine Truhe, wendest dich aber in dem Wissen ab, dass dir heute so oder so einer deiner Freunde eine Köstlichkeit zukommen lassen wird.
Noch einmal ein wenig dösen, nur ein paar Minuten.
Dann erst beginnt das Leben. Die Menschen rufen und verabreden beim Frühstück den Fortgang des restlichen Tages; nur du wirst wiedermal nicht eingeladen, obwohl dein Name so oft in Gesprächen fällt.
Immer in der Frühe gehst du spazieren, dann wenn schließlich und endlich sich jemand zu dir gesellt. Eine eilige, kleine Runde mit deinen besten Freunden ist es, nur um die aktuellsten Nachrichten des Tages zu erfahren. Wer war wann an welchem Ort und was hat das mit dir zu tun?
All die Menschen die du kennst verschwinden so langsam in den Tag, tauchen ab in eine Welt die du nicht kennst und nie kennen wirst, denn du darfst ja nie mit. Das sei nichts für dich, predigen sie. An keinem dieser Orte, wo auch immer sie sein mögen, bist du willkommen. Also bleibst du wo du bist, in deinen eigenen Gedanken, so ganz mutterseelenallein.
In deiner Trauer, Wut und Ungeduld vergisst du die Zeit um dich herum, bis du das Quietschen der Haustür, schwere Schritte und schrilles Rufen hörst.
Mittagszeit.
Bestimmt das Highlight des Tages, jedes Mal die Crème de la Crème mit Huhn und Reis oder Spirelli mit feinstem Lachs, stets gereicht mit einem Hauch von Fertigessen-Beigeschmack.
Nach und nach kommen sie wieder, dann wenn die Sonne tief unten den Horizont zu küssen scheint und du schon dachtest du wärest für immer alleine. Doch immer wieder wirst du ermahnt; natürlich kommen sie wieder, wie könnten sie nur lange ohne dich?! Tja, nun wirst du mit Nachtisch belohnt aus deiner magischen Truhe voller Delikatessen, die du nur darfst essen, wenn sie es auch erlauben, aber macht nichts. Immerhin kaust du fröhlich vor dich hin, lässt die Sonne eins werden mit dem Horizont und die Dunkelheit übernehmen. Des Nachts wollen sie schlafen, die Freunde mit den wichtigen Aufgaben, solche die du nie haben wirst. Der Schönheitsschlaf habe seinen Grund und du sollst gefälligst leise sein. Du bist ja bloß ein Hund.